brainWEEK 2014

 

Das wandelbare Gehirn!
Neuroplastizität

“Ihre Frau ist im apallischen Syndrom, da sind viele Gehirnzellen abgestorben; und was tot ist, ist tot, da lässt sich leider nichts ändern!”. So die Aussage eines Experten vor 22 Jahren, als meine Frau noch im “Apallischen Durchgangssyndrom” oder auch Wachkoma genannt, lag. Als sie dann auch noch in den Zustand des Hirntodes abrutschte, versuchte man mir klar zu machen, dass nun das gesamte Hirn verwesen und sich verflüssigen würde. – ich wollte und konnte es nicht glauben, denn allein die Vorstellung, dass meine schwangere Frau bis zum möglichen Geburtstermin, ca. 2, 5 Monate, langsam vom Gehirn aus in einen Verwesungsprozess gehen würde, war für mich unvorstellbar – doch offensichtlich nicht für Wissenschaftler und Experten.

Aufgrund dieser grundlegenden Annahme, war es den meisten daher nicht vorstellbar, dass sogenannte “abgestorbene Hirnzellen”, “untergegangene Hirnareale” wieder aktiviert werden könnten; denn was tot ist ist tot. Und so wurden damals diese “Apalliker” allerhöchsten satt und sauber gepflegt. Therapie war ja sinnlos! –

Ein betroffener Vater, der Unternehmer Max Schuster, glaubte auch nicht an diese Annahme und fand Therapeuten, also Praktiker, die bewiesen, dass es für diese Menschen sehr wohl ein Rehapotential gab.

siegelHeute – 25 Jahre später – stellt kein seriöser Neurowissenschaftler die Plastizität, d.h. die Veränderbarkeit des Gehirns in Frage. Auch das nicht zutreffende Sprichwort:”Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr” wird nicht nur durch die Wissenschaft widerlegt, sondern auch durch die regen 70+ Studierenden. Ein neues Schlagwort ist entstanden: “das lebenslange Lernen” als Aufforderung, die eigene Hirnaktivität so lange wie möglich zu trainieren.

Ein beeindruckender Filmbeitrag über die Plastizität unseres Gehirns bei Schlaganfall, Gleichgewichtsproblemen, Phantomschmerzen, Chemo-Brain* und beim Leben mit nur einer Gehirnhälfte ist der, auf dem Buch des kanadischen Psychiaters und Psychoanalytikers Norman Doidge beruhende arteFilm “Neustart im Kopf” (Link: http://vimeo.com/8482904 ).

Ich freue mich heute schon über die interessanten Beiträge unserer Partner zur brainWEEK 2014.

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Eugen Siegel
Gabriele Siegel Stiftung

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* Folge einer Chemotherapie auch “Nebel im Kopf” genannt, reicht von Konzentrationsstörungen und Erinnerungslücken bis hin zu Krampfanfällen.

chs